16 Februar, 2006

Anderswelt



Die Stundendiät aus der Schweiz



Einst, vor langer Zeit, als es noch keine Computer gab und es ein großes Abenteuer war, mit einem Flugzeug zu verreisen, lebten ein Mann und eine Frau in einem kleinen Haus in einer kleinen Stadt, deren Namen ich leider vergessen habe. Sie hatten sich beide sehr lieb und wünschten sich nichts sehnlicher als ein Kind. Nach langer Zeit wurde ihnen dieser Wunsch erfüllt, und sie freuten sich über alle Maßen über ihren kleinen Sohn, der allerliebst anzuschauen war.



Nun gab es zu der Zeit einen großen Krieg, in den alle Männer, die ein Gewehr tragen konnten, ziehen mußten, und auch der Vater dieses kleinen Jungen war darunter. Als der Abschied kam, ermahnte er seine Frau, besonders gut auf den Kleinen aufzupassen, daß ihm nichts zuleide geschehe. Und seinen kleinen Sohn ermahnte er, immer lieb zur Mutter zu sein, da diese nun alleine zurückbleiben und sich mit Arbeit und Sorgen sehr abmühen mußte. Der kleine Junge verstand zwar noch nicht die Worte seines Vaters, er wußte aber schon, daß ihm eine große und schwere Aufgabe übertragen wurde. Da er die Mutter sehr lieb hatte, beschloß er, gut auf sie achtzugeben und ihr nur Freude zu machen.



Dies war gar nicht so einfach für einen kleinen Jungen, der oft davon träumte, in einer ganz anderen Welt zu leben, in der er viele Abenteuer erleben wollte. Die Mutter schien auch nicht immer zu merken, wie sehr sich der Kleine bemühte, sie zu erfreuen. Sie hatte oft verweinte Augen und überhaupt nicht mehr so viel Zeit, um mit ihm zu spielen und zu lachen wie zu der Zeit, als der Vater noch bei ihnen war. Und je trauriger die Mutter war, um so mehr strengte sich der kleine Junge an, brav zu sein. Es war wirklich eine schwere Aufgabe für ihn. Viel lieber wäre er draußen in der Welt herumgesprungen, hätte mit anderen Kindern die Wiesen durchstreift, Blumen gepflückt und Schmetterlingen zugeschaut bei ihrem leichten, unbeschwerten Tanz über sonnendurchfluteten Sommerwiesen.



Die Mutter mußte den Kleinen oft ermahnen, weil ja auch sie ihrem Mann versprochen hatte, gut auf den Sohn aufzupassen. Schließlich aber blieb der kleine Junge artig bei ihr zu Hause und vergaß seine Kinderträume, in denen er wilde Tiere bezwang, mit großen Schlangen und Krokodilen kämpfte und unerschrocken allen Gefahren trotzte, weil er doch groß und stark war. Statt dessen beschützte er seine Mutter, damit sie nicht mehr um den Vater weinen mußte. Die Mutter war’s zufrieden und ließ den Kleinen nicht aus den Augen. Sogar nachts durfte er an der Seite der Mutter im Bett seines Vaters schlafen, was ihn mächtig stolz machte.


Nach langen Jahren war der große Krieg vorbei und der Vater konnte wieder nach Hause zu seiner Familie kommen. Der kleine Junge freute sich sehr, hoffte er doch auf ein großes Lob des Vaters, daß er all die Jahre so gut für die Mutter gesorgt hatte. Wie enttäuscht war er aber, als er zum Dank für sein Bravsein nun allein in seinem Kinderbettchen schlafen sollte und auch die geliebte Mutter nicht mehr so viel Zeit für ihn hatte.



Er konnte sich dies alles nicht erklären, wurde ganz traurig und wünschte insgeheim, der Vater möge überhaupt nicht wiedergekommen sein. Nun wußte er, daß man sich so etwas auf keinen Fall wünschen darf, und so beschloß er, ab jetzt noch mehr darauf zu achten, seiner Mutter nur Freude zu machen. „Vielleicht schickt sie den Vater ja wieder weg, wenn sie sieht, wie sehr ich mich anstrenge“, so dachte er oft.



Es vergingen viele Jahre, in denen der kleine Junge größer wurde, zur Schule ging, danach auf die Universität, dort einen Doktortitel errang und eine Arbeit fand, von der er gut leben konnte. Seine Eltern waren stolz auf ihn, daß er es mit Fleiß und Tüchtigkeit so weit gebracht hatte. Was sie jedoch nicht sehen konnten, war, daß die Seele des jungen Mannes aufgehört hatte zu träumen. Er sah es ja selber nicht, spürte nur manchmal eine unerklärliche Sehnsucht nach etwas Unbekanntem, das ihn beunruhigte. Sprach er mit seinen Freunden darüber, so lachten diese ihn aus und ermahnten ihn, zufrieden zu sein mit dem Erfolg, den er in seinem Beruf hatte. Und so tat er es denn auch.



Nach einer geraumen Zeit fand er eine Frau, die er sehr liebte, und bald bekamen sie eine Tochter, die sie Sophie nannten. Wenn der junge Mann voller Freude und Lebenslust mit seiner kleinen Tochter spielte, erlebten sie zusammen die schönsten Abenteuer. Sie bezwangen das wilde Meer, kämpften mit meterhohen Wellen, mit großen, gefährlichen Fischen, und mehr als einmal mußten sie aufpassen, daß ihr kleines Boot nicht kenterte. Sophie juchzte vor Freude und war mächtig stolz auf ihren starken und mutigen Vater.



Vielleicht war es diese Ausgelassenheit, bei der sich der junge Mann wieder erinnerte an den sehnsuchtsvollen Schmerz in seiner Brust, den er früher schon bemerkt hatte. Immer häufiger stellte er sich ein, und nach einiger Zeit konnte auch seine Frau ihn nicht mehr verstehen. Immer häufiger versuchte sie ihn zu überzeugen, zufrieden zu sein mit dem, was sie hatten, doch der junge Mann spürte, daß er sich auf die Suche machen mußte nach dem Grund für diesen Schmerz, und so ließ er die kleine Sophie bei ihrer Mutter und zog voller Trauer alleine weiter.



Er wurde älter, begegnete immer wieder einmal einer Frau, zu der er sich hingezogen fühlte. Und wenn er sich anstrengte, um ihr Freude zu bereiten, konnte es sein, daß sie eine Weile zusammenblieben, aber immer nur so lange, bis der sehnsuchtsvolle Schmerz in ihm sich wieder in Erinnerung brachte. Dann dauerte es nicht lange, und er mußte weiterziehen.



Nun geschah es eines Nachts, daß ihm eine wunderschöne Fee von zarter Gestalt erschien. Er bat sie, ihm zu sagen, warum er oft so traurig sei und erfüllt von einem sehnsuchtsvollem Suchen, dessen Ursache er nicht kennt. Die Fee bedeutete ihm lächelnd, ihr zu folgen, und sie kamen zu einem kleinen Hügel inmitten von blumenübersäten Wiesen. Hier gebot sie ihm, sich hinzuknien und die Erde mit seinen Händen beiseite zu räumen. Er tat verwundert, wie ihm geheißen wurde, und schon bald fand er ein kleines, metallbeschlagenes Kästchen aus Ebenholz, dessen Anblick in ihm sofort wieder diese tiefe Sehnsucht auslöste.



Die Fee öffnete das Kästchen mit ihrem goldenen Stab, und wie der Mann hineinschaute, fand er darin all seine großen und kleinen Träume, die er als kleiner Junge dort versteckt gehalten hatte: die Träume von Abenteuern, von mutigen Taten, von Kinderspielen voller Leichtigkeit und Lebensfreude, von Wiesen voller Sonnenblumen, von Sonne, Mond und Sternen, von Reisen in ferne, fremde Länder, vom Lieben und Geliebtwerden - eben von einer anderen Welt. Hier in diesem Kästchen hatten sie all die Jahre darauf gewartet, daß er sie finden und damit wieder zum Leben erwecken würde.

Der Mann nahm das Kästchen in seine beiden Hände, und Tränen voller Schmerz, Trauer und Sehnen tropften darauf. Aber mit jeder Träne wurden diese Träume bunter, lebendiger, fingen an zu tanzen, und schließlich tanzte auch der Mann mit ihnen: mal langsam und zärtlich, mal wild und leidenschaftlich. Es war ein herrliches, lustvolles Spiel, und der Mann hatte seine Freude daran.



„Höre“, sprach die Fee zu ihm, „wenn diese andere Welt Wirklichkeit werden soll für Dich, dann mache Dich auf die Suche nach der Liebe. Finde die Frau, die Dich mit Deinen Träumen liebt und nicht deswegen, weil Du ihr Freude bereitest. Nur dann wirst auch Du lieben können, und ihr dürft zusammen die Anderwelt betreten und darin bleiben, so lange es Euch gefällt.“



„Wie kann ich aber die Liebe erkennen?“, fragte der Mann, und die Fee antwortete ihm: „Laß alle Vorstellungen los, laß Dich überraschen vom Lauf der Welt - und höre auf Dein Herz! Es wird Dir den Weg zeigen, den Du Dein Leben lang gesucht hast. Vertraue auf diese Stimme in Deinem Inneren, auch wenn sie anfänglich noch leise ist und Du sie vielleicht nicht immer begreifst. Lebe Deine Träume, und die Liebe wird Dich finden!“


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