22 Februar, 2006

Somewhere over the rainbow...



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Anna räkelte sich im warmen, schaumigen Wasser ihrer Badewanne. Das ganze Badezimmer duftete nach Vanille, ein paar Kerzen brannten und sie hatte sich ein Glas mit Rotwein an den Wannenrand gestellt. Sie liebte diese Abende. Immer, wenn der Tag im Büro allzu aufreibend gewesen war, flüchtete sie sich in ihre Badewanne. Wie gut, daß ich alleine lebe, dachte sie an solchen Abenden, ich brauche nicht zu kochen, ich brauche nicht hübsch und ordentlich zu sein, ich kann einfach machen, was ich will.

Später lag sie nach Bodylotion duftend auf ihrer Couch, schaute sich eine neue Folge von »Edel und Stark« an und knabberte an ihrem Salat.

Mir geht es so richtig gut, wollte sie gerade denken, als dieses schwere, dunkle Gefühl über sie kam. Hatte sie etwa ihre Tabletten gegen Depression vergessen? Oder bekam sie ihre Tage? In den letzten Monaten hatte sie stärker als sonst unter Hormonschwankungen gelitten und befürchtete, daß ihre Wechseljahre bereits begannen.

»Du kriegst keine Wechseljahre, du brauchst mal wieder einen Mann«, erklärte ihre Freundin Isabel. Aber was wusste die schon, außerdem waren alle begehrenswerten Männer längst verheiratet. Den Status einer Geliebten wollte sie weder sich noch der Ehefrau oder gar den Kindern antun. Und es war ja nicht so, daß es da keinen Mann in ihrem Leben gab…

Seufzend schloss sie die Augen und begann zu träumen. Seine großen Hände, die sicher sehr zärtlich sein konnten, die breiten Schultern, an die sie sich zu gerne anlehnen würde, diese dunklen Augen, in denen sie versinken wollte, während er sich langsam über sie beugte, um sie zu küssen...

Träum weiter, wies sie sich energisch zurecht. Dieser wundervolle Mann ist dein Chef, also, vergiß ihn. Du weißt, er schläft mit jeder, die daherkommt, das weiß das ganze Büro. Willst du dir das wirklich antun?



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Etwas in ihrem Kopf klickte und ein hängengebliebenes Zahnrädchen wurde frei. Das war der Punkt, deshalb die Schwere. Sie hatte heute – mehr oder weniger unbewusst – bemerkt, daß er nach der Mittagspause anders gewirkt hatte als sonst. Entspannter, verwuschelter, aufrechter. Als wäre er gerade eben ziemlich glücklich gewesen. Und seine Chefsekretärin hatte genauso ausgesehen.

Er schläft mit dieser Schnepfe, aber nicht mit mir? begehrte sie innerlich auf. Was sollte das? Sie griff zum Telefon und wählte die Nummer ihrer persönlichen Telefonseelsorge.

Isabel, kinderreich und sehr verheiratet, meldete sich.

»Kannst du zu mir kommen?« fragte Anna und fühlte sich auf einmal kläglich. Wie eine Versagerin. Vierzig Jahre war sie alt und nichts in ihrem Leben hatte sie geschafft.

»Nein, Herzchen, ich kann nicht kommen, obwohl ich nichts lieber täte als das. Rotwein mit dir auf der Couch und Kerzen, Ruhe, unsere stundenlangen Gespräche… Weißt du eigentlich, was ich noch alles zu tun habe, bevor ich auch nur meine Beine hochlegen kann? Oder – warte – was sagt meine Mutter immer? Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum? Ich komm. Gib mir ne halbe Stunde, dann hab ich hier alles unter Kontrolle.«

Und Josephine Baker sagt, wenn du deinen Traum leben willst, musst du erst aus ihm erwachen, dachte Anna. Wie erwachte man aus dem Traum von perfekter Zweisamkeit, von zärtlichen Abenden und von dunkelbraunen Augen?

Sie stand auf und holte die neuesten Pralinen aus dem Eisfach. Sie besorgte für ihre Freundin immer das Beste vom Besten, sie wollte, daß sie sich bei ihr wohl und wie zuhause fühlte. Und damit sie nicht selbst alle aß, fror sie die jeweils frische Schachtel kurzerhand ein.

Isabel klingelte. Anna stellte die gekühlten Pralinen auf den Tisch, schaute sich rasch um – alles war wundervoll, die ideale Kulisse für einen entspannten Frauenabend. Aber was ist mit dem Schauspiel? fragte sie sich plötzlich erschrocken. Wo ist der Regisseur, wer schreibt das Drehbuch? Bist du wirklich nur die Bühnenbildnerin in deinem eigenen Leben?

Als sie sich auf der Couch zurecht gekuschelt hatten und Anna in ihre erste Praline hinein biss – sie erlaubte sich Schokolade nur in Gesellschaft - , stellte Isabel die Frage, die ihr schon lange auf der Seele brannte.

»Was genau hast du eigentlich nicht geschafft? Du sagst das immer, aber was ist es denn? Die Wohnung gehört doch dir, oder? Und das Auto ist auch abgezahlt, nicht?«

Anna nickte. Dann brach es aus ihr heraus.

»Das alles wollte ich nie. Weißt du, was mein Traum war? Ich wollte ein großes, schweres Motorrad fahren, ich wollte mit einer Menge Freunde in einer riesigen WG wohnen, am besten in einem großen Bauernhof, ich wollte Tiere haben, ich wollte Bücher schreiben, ich wollte einen aufregenden Musiker mit langen Haaren, ich wollte riesige Lagerfeuer auf der Wiese hinter dem Haus und Menschen, die ich liebe. Ganz sicher wollte ich keinen Job im Büro, nein, ich wollte mein Geld auf absolut freie und künstlerisch wertvolle Weise verdienen. Bücher verkaufen, Lesungen halten, vielleicht Rassekatzen züchten, Reiten für Kinder anbieten, solche Dinge. Irgendeiner würde abends für alle kochen, wir würden singen und vielleicht sogar gemeinsam meditieren oder beten. Ja, das ist Hippiezeug, aber verdammt noch mal, das war meine Zeit! In dieser Zeit bin ich groß geworden! Ich will lange, viel zu bunte Gewänder tragen, wallende Haare besitzen und wunderschön und lebendig sein!«

Sie weinte nicht. Viel zu tief hatte sie die Trauer über ihren verlorenen Traum in sich vergraben.

Isabel dachte nach.

»Wann genau bist du abgebogen, wie hast du die Straße zu deinem Traum verlassen?« fragte sie nüchtern.

Anna trank einen großen Schluck Wein. Der Alkohol begann, die versteinerte Schicht in ihr aufzuweichen.

»Ich war nie drauf. Ich hab nie damit angefangen. Ich kann ja nicht mal Motorrad fahren, ich habe eine Heidenangst vor großen Pferden, ich werde verrückt, wenn ich mir vorstelle, mit vielen Menschen zusammen zu leben. Ich kann keine Bücher schreiben, ich hasse wallende Gewänder und lange Haare stehen mir nicht. Ich will auch keinen Musiker, ich will nur einen, der so aussieht, aber Finanzbuchhaltung macht.«

»Was ist mit »Lebe deinen Traum«? Du tust das, was die meisten Menschen mit ihrem Traum tun, sie schütten ihn mit dem Bade aus. Entweder-oder, schwarz oder weiß. Das ist unfair, meine Liebe, unfair dir selbst gegenüber. Wie könntest du denn deinen Traum leben, in kleinen, überschaubaren Schritten? Was davon willst du wirklich?«

Anna blickte auf einmal geschockt auf. Und jetzt weinte sie doch.

»Weißt du was? Ich mach das immer. Ich versuch es erst gar nicht. Ich füge mich in mein Schicksal, ich geh einfach den Weg, der vor mir liegt, ich schau gar nicht erst nach dem Land hinter dem Regenbogen. Ich gebe gleich auf, noch bevor ich es angefangen habe, Das habe ich mein Leben lang schon so gemacht.«

Isabel lächelte liebevoll. »Nein, Süße, hast du nicht, sonst könntest du weder laufen noch sprechen. Du weißt sehr wohl, wie hinfallen und wieder aufstehen funktioniert. Kinder tun den ganzen Tag nichts anders. Ich weiß auch nicht, warum wir glauben, das hört mit zwanzig auf. Also, was wäre der erste Schritt?«

Anna dachte nach. Dann lächelte sie versonnen.

»Ich kann mir einen kleinen Motorroller kaufen. Ich könnte zumindest mal überlegen, was ich schreiben will. Und ich könnte« – ihre Augen leuchteten – »ich könnte mir doch Katzen besorgen, ich nehme einfach zwei, dann ginge es, auch wenn ich den ganzen Tag nicht da bin.«

»Du könntest noch viel mehr. Du könntest das hier verkaufen und zu uns ziehen. Du weißt, wir haben dieses riesige Grundstück. Hinter dem Haus gibt es das Gärtnerhäuschen, es muß nur hergerichtet werden. Du könntest ein Pony im Garten halten, er ist groß genug und die Kinder wären überglücklich. Wir könnten Lagerfeuer machen, das tun wir oft. Ich hab ne Menge Freunde, auch unverheiratete, wir finden ganz schnell einen Mann für dich. Und das mit den Klamotten – nun, ich hab noch Umstandskleider, die sehen sehr wallend aus…«

»Stop«, unterbrach Anna sie lachend. »Warte. Ich glaub, ich fang mit dem Roller und den Katzen an.«

Isabel lachte mit.

»Natürlich. Ich will dir ja auch nur zeigen, daß alles da ist, wirklich alles. Mit Sicherheit auch der Mann.«

Anna stutzte auf einmal.

»Vielleicht weiß ich sogar einen. Er ist tatsächlich Finanzbuchhalter, bei uns in der Firma. Er hat mich schon oft zum Essen eingeladen, aber er hat so komische lange Haare…«

Plötzlich prusteten beide los.

»Ach wirklich? Dann sieht er etwa wie ein Musiker aus? Das ist ja grässlich. Was fährt er denn, so ein furchtbar lautes Motorrad?«

»Ja, tatsächlich. Mit Beiwagen. Er hat nämlich immer seinen Hund mit im Büro. Sag mal, bin ich bescheuert?« fragte sie sich plötzlich ernsthaft. »Ich hab sogar seine Telefonnummer Sehe ich tatsächlich nicht, was ich vor der Nase habe?«

»Wenn du deinen Traum leben willst, musst du erst mal aus ihm erwachen. Das ist das Geheimnis echter Erfüllung.« Dann gab sie Anna das Telefon. »Ruf ihn an. Ich geh jetzt nach Hause und du, du gehst endlich den ersten Schritt hinein in das Land hinter deinem persönlichen Regenbogen.«


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